Tag 1 - Erste Versuche auf Schweinehaut

Durch eine Anzeige, die mir von einer Kollegin meiner Mutter zugeschickt wurde erfuhr ich, dass ein nahegelegenes Tattoo Studio einen Azubi sucht. Ich wusste, das ist meine Chance meinen Lebenstraum endlich wahr werden zu lassen! Ich hatte nie fĂŒr Möglich gehalten, dass ich jemals tĂ€towieren wĂŒrde, vor allem nicht so frĂŒh und so plötzlich. Es vergingen keine 3 Tage da hatte ich nach einem GesprĂ€ch im Skin Inks Tattoo Studio schon eine Tattoo-Maschine in der Hand und Schweinehaut vor mir liegen. Mein zukĂŒnftiger Mentor zeigte mir, wie man richtig sticht. FĂŒr Linien 9,2 V einstellen, Nadel in die Farbe halten, und ab unter die Haut damit! "Aber bloß nicht zu tief" erklĂ€rte er mir, ansonsten könne die Farbe unkontrolliert verlaufen. Ich unternahm in den folgenden Tagen noch ein paar eigene Versuche. Die meiste Zeit benutzte ich einen 5er Liner, probierte auch mit einem 5er Magnum und 3er Round Shader alles mögliche aus.

Weitere Versuche auf Schweinehaut

So ging es weiter. die Motive wurden mit der Zeit besser und besser. Ich lernte jedes mal aus meinen Fehlern und meine Hand wurde zunehmend ruhiger. Ich probierte ein paar Dinge aus und war sehr Stolz auf mich. Ich konnte es jedoch kaum erwarten so gut zu werden, dass ich endlich Menschen stechen dĂŒrfte zumindest mit einfachen Motiven und Fineline Tattoos. Den Endboss Fotorealismus hebe ich mir erstmal auf, bis ich auch auf Menschen gut stechen kann. In dieser Zeit wurde auch der Ausbildungsvertrag geschlossen. Die Schweinehaut bekam ich ĂŒbrigens kostenlos beim Metzer im Dorf, da es sowieso ein "Abfallprodukt" ist und direkt weggeworfen wird.

Tattoos auf Schwein sehen mittlerweile super aus!

Eines Tages hörte ich beim Stechen nur noch "also, eigentlich kannst du die Schweinehaut jetzt erstmal weglassen". Ich dachte ich höre nicht richtig! Das war das Go meines Mentors, dass ich nun auch Menschen tĂ€towieren darf! Die Motive wurden auf Schwein immer cleaner, ich war Feuer und Flamme. Ich wusste, das TĂ€towieren, das ist es! Hier seht ihr meine Finalen Übungen auf Schweinehaut (zumindest erstmal, denn ich habe noch viel zu lernen).

Mein erstes Tattoo auf einem Menschen 20.01.2023

Ich erzĂ€hle voller Freude meiner Familie und meinem Freund von meinem Erfolg und machte meine ersten Termine aus, um auf meinen 5 ersten "Opfern" zu ĂŒben. Mein Freund war der Erste, der sich unter die von mir gefĂŒhrte Nadel traute. Mein Mentor Daniel hatte immer ein Auge drauf, korrigierte Fehler die ich machte sofort und half am Ende auch das Motiv schwarz auszufĂŒllen. Es dauerte 4 Stunden, man muss dazu sagen dass das Motiv nicht tiefschwarz wurde gegen Ende, weil uns die Kraft langsam ausging, das wird aber definitiv nachgestochen! Hier sieht ihr auch mal meinen Arbeitsplatz im Studio! Ich fuhr natĂŒrlich sofort zum Ikea und besorgte ein paar Dinge.

Weitere Tattoos auf Menschen

Nachdem mein erstes Tattoo ein Erfolg war (weil ich nicht zu tief stach oder meinen Freund komplett verschandelte...) folgten sofort weitere Termine. Bald war es schon soweit dass ich insgesamt 7 Tattoos gestochen hatte! Es schlichen sich bei jedem mal Fehler ein, einmal hatte ich nicht bemerkt, dass ich mit 9,2 V schattierte und wunderte mich nur wieso das so schnell so dunkel wurde. Ein anderes mal hatte ich vergessen das Bild vor dem drucken des Stencils zu spiegeln. Aber durch diese ganzen Kleinigkeiten habe ich mittlerweile so viel gelernt, dass das TĂ€towieren viel flĂŒssiger und fehlerfrei lĂ€uft. Ich verlange sogar schon meine ersten paar Euros! Meine Hand wird auch von mal zu mal ruhiger und ich steche immer geradere Linien. Auch werden die meisten Linien schon direkt tiefschwarz, ohne dass ich ein 2. mal drĂŒber muss!

Spenden Event - Die Feuerprobe

Es folgte eine große PrĂŒfung fĂŒr mich. Mein Mentor organisierte im Skin Inks Studio ein Spendenevent fĂŒr den 04. und 05.03.2023, um alle Einnahmen den Radio 7 Drachenkindern zu spenden. Ich war natĂŒrlich mit von der Partie. Ich denke er hatte ein wenig Sorge ob ich die mir völlig fremden Kunden auch qualitativ einwandfrei stechen konnte... Ja, auch ich hatte diese Sorge. Aber es lief Prima! Ich bekam 3 Kunden, die mich auch lobten fĂŒr meine gute Arbeit und sogar Mentor Daniel war gegen Ende begeistert vom Ergebnis. Ich konnte nicht stolzer auf mich sein. Nachdem dieser ganze Druck und die Angst vor dem Spendenevent abfiel wurde ich sogar so richtig krank haha! Das 10. Tattoo war hiermit gestochen!